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Legenden und Irrtmer

 

 

Thomas Kliebenschedel

 

 

Die Amerika Rakete

 

 

Whrend des zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland unzhlige neue Technologien entwickelt, die meisten davon fielen zum Ende des Krieges den amerikanischen Truppen in die Hnde. Viele dieser Technologien verschwanden direkt aus der deutschen Geheimhaltung in die amerikanische Geheimhaltung und unterliegen zum Teil heute noch einer inzwischen unsinnigen Archivsperre ! Natrlich wurden dennoch einige Details dieser besonderen Technologien bekannt, so das die Entwicklungen als solches nichts neues sind, die Einzelheiten aber dagegen immer noch im dunkeln liegen. So auch einer der spektakulrsten Entwicklungen dieser Zeit , von der es nicht mehr zu berichte gibt als man ber eins der sieben Weltwunder berichten knnte ! Allerdings whre der vergleich zwischen Weltwunder und einem zum Mythos hochstilisierten Terror Waffe, die nicht mehr war als ein zu Papier gebrachter Gedanke, vllig fehlplatziert ! Die rede ist von A9/A10 das heute wohl eher unter der Bezeichnung Amerika Rakete bekannt ist . In der Vorstellung einer kleinen Fan- Gemeinde rund um den Globus wird diese Rakete als erste Interkontinentalrakete gesehen die gleichzeitig auch Trger der ersten Atombombe htte sein sollen ! Nicht nur das viele aus dieser A9/A10 und Deutschen Atombomben- Fan- Gemeinde, der Meinung sind das diese Rakete entwickelt wurde, sondern sie gehen auch davon aus das diese Raketen auch getestet wurde ! Worauf die Anhnger der Amerika Rakete ihr Wissen berufen bleibt aber ebenso wie die Dokumente, die diesen Mythos aufklren knnte, im Dunklen verborgen ! An stelle von Dokumenten werden aus dem wenigen bekannten mit sehr viel Phantasie Spekulationen an den Tag gelegt, die dann nach einigem hin und her zitieren, zu vermeintlichen Fakten pervertiert als Wahrheit dargestellt zum besten gegeben werden . Mit einer serisen Publikation von ernsthafter Geschichtsforschung hat das wenig zu tun und welchen Sinn derartiges Treiben haben soll wird denen die mit dem ntigen Ernst an die Sache gehen wohl ewig verschlossen bleiben. Wie dem auch sei, festzustellen ist auf jeden Fall das bereits 1945 kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges die tollsten berichte ber die angebliche Amerika Rakete verffentlicht wurden. Diese zwei- Stufenrakete, so wie sie heute dargestellt wird und angeblich mit der Absicht New York mit einer Atombombe zu zerstren ,entwickelt werden sollte, drfte aber unter genauerer Begutachtung wohl ein Produkt der Phantasie sein und ihren Ursprung im aufkommenden Kalten Krieg der Ost und Westmchte haben ! Richtig ist natrlich das zum Beispiel anhand erhaltener Dokumente und Berechnungen der Ort New York als Ziel einer Interkontinentalen Rakete auftaucht, in gleicher weise wie in einer Berechnung neben New York noch 2 weitere Orte mit Lngen- und Breitengradangaben zu erkennen sind! Offensichtlich bersieht man aber heute gerne die anderen Ziele! New York war zu beginn der Berechnungen (nach meiner Meinung ! ) nur ein Beispiel, aber weniger eins zum beschieen, sondern als Reichweitenbeispiel !

 

 

Grundstzlich kann man davon ausgehen das es so gut wie keine sachlich richtige Verffentlichung weder in Buchform noch im Internet gibt.

Die meisten Berichte sind von den Autoren mangels Sachkompetenz mehr oder weniger aus der Nase gezogen, egal ob auf Wikipedia, Astronautix.com oder sonst einer der unzhligen Webseiten ! Um dem ein bisschen entgegen zu wirken habe ich ein paar Stichworte aufgefhrt die durch Dokumente aus dem Bundesarchiv und dem des Deutschen Museum belegt werden knnen.

 

 

 

 

 

 

Das Zweistufige Aggregat ( flschlicherweise als A9/A10 bezeichnet )

Zweistufiges Aggregat entsprechend der Zeichnung : Bildnummer B 88/41 BSM

 

 

A4 + A10 ( 100 t Gert ) 29.11.1939 618/gkdos

 

Die lteste mir bekannte Berechnung eines zweistufigen Aggregat mit sehrgroer Reichweite ist auf den 29.11.1939 datiert und beschreibt die Kombination eines Aggregat 4 mit einem Aggregat 10 mit 100 t als Trgerstufe.

 

4.12.1941 Gleiter A4 V13e ( siehe auch : http://www.v2werk-oberraderach.de/Irrtuemer/5-I.htm )

 

In einem Bericht vom 21.1.1941 zum Stand der Entwicklung der Gleitaggregate am 1.1.1941 wird eine Form des A4 Gleiters, eine Parallelentwicklung mit der Bezeichnung A4 V13 als eine spezielle Formauswahl fr eine mgliche Kombination des A10 und einem Gleitaggregat beschrieben.

Im Archiv des Deutschen Museums befindet sich ein Foto mit der HAP- Bildnummer B 88/41 BSM, dieses zeig eine Zeichnung vom 10.6.1941. Auf dieser Zeichnung ist ein Aggregatsmuster A4V13 in Kombination mit einem A10 zu sehen. Bei beiden Aggregate ist ber die Treibstoffgewichtsangaben feststellbar, das es sich um HNO3 Gasl Gerte handelt. Im gleichen Bericht vom 21.1.1941 wird ein Gleiter mit der Form A4 V 12 c ( die Grundlage des spteren A9 ) mit einer Reichweite von 500 kg genannt. Die Daten der zweiten Stufe (B 88/41 BSM ) werden wie folgt angegeben:

 

Rstgewicht 3000 kg

Nutzlast 1000 kg

Brennstoff + Rest 11910 kg

t-Stoff 350 kg

Startgewicht 16260 kg ( bei 13300 cm Rumpfkrperlnge )

( keine Angabe ber Schubleistung )

 

Vergleicht man diese Angaben mit denen der HNO3 Gasl Gerte Entwicklung ( spter A8 ) z.B. aus dem Bericht zum Stand der Vorarbeiten vom 20.6.1941 . Bl.Nr. 637/41 gk Dr. Th., (siehe auch : http://www.v2werk-oberraderach.de/Irrtuemer/A8.htm )

 

Lehrgewicht 3910 kg

Treibstoffgewicht 12000 kg

t-Stoff 350 kg

Triebwerk 40 at Salpetersure,

Startgewicht 16260 kg ( bei ebenfalls 13300 cm Rumpfkrperlnge )

Angenommene WA = 2200 m/sec. Brennzeit ca. 104 sec.

und 430 km Reichweite.

 

Stellt man fest dass, das Lehrgewicht ohne Nutzlastspitze des A4V13 um gerade mal 90 kg hher liegt als das des reinen A4 HNO3 Gasl Gertes.

Geht man davon aus dass, das Gert ein festgelegtes Maximum Startgewicht von 16260 kg haben sollte und die zustzliche Flgelflche nur 90 kg betragen htte ( was mit Sicherheit nicht ausgereicht ), wre eine Reduzierung der Treibstoffmenge zu Gunsten des Gesamtgewichtes denkbar. Allerdings wre dann auch eine Reduzierung der T- Stoffmenge logisch gewesen . Weniger Sinn ergibt die Angegebene Treibstoffmenge der Zweiten Stufen wenn man sich bewusst macht das diese endsprechend der HNO3 Gasl Triebwerksentwicklung fr eine Brennzeit von ca. 104 sec. ausgereicht htte und nicht wie flschlicherweise meist behauptet 55- bis 60 sec. ! Vergleicht man die zweite Stufe aus der Zeichnung dann aber mit den Gewichtsangaben des A4 vom 2.1.1945 stellt man fest dass, das Lehrgewicht ohne Nutzlast ebenfalls mit 3000 kg angegeben wird.

 

A4 :

Lehrgewicht ca. 3000 kg
Nutzlast ca.1000 kg

T-Stoff 175 kg

Brennzeit ca. 60 sec.

Reichweite ca. 300 km

Gesamtgewicht 12700 12900 kg

 

Wenn man nun zusammenfasst was es tatschlich an Fakten zum zweistufigen Aggregat gib, stellt man fest das es bisher nur eine Darstellung eins solchen zweistufige Rakete gibt die aus der zeit vor Kriegsende stammt. Diese Zeichnung ist das angesprochene Foto aus dem Bildbestand des Deutschen Museums und zeig eine mglicherweise nachtrglich vernderte Darstellung der A4 A10 Kombination vom 29.11.1939. Bei der gezeigten Kombination Handel es sich wie bereits genannt um ein HNO3 Gasl Gert das auf Daten basiert die bereits zum Entstehungszeitpunkt der Zeichnung veraltet waren . Die Wahrscheinlichkeit das diese Zeichnung nachtrglich angepasst wurde ist zur zeit eher anzunehmen als das diese Zeichnung eine korrekt und authentische Darstellung wre !

 

Verschiedene gerade noch akzeptabeler vom Bild B 88/41 BSM abgeleitete zweistufen- Aggregat- Darstellungen die aber dennoch alles andere als

historisch korrekt b.z.w. belegbar sind . Alle sonst noch exsistierende Darstellungen sind maximal Knstlerische Interpretationen des Themas A9-A10 Rakete und knnen bisher kaum ernst genommen werden.

 

 

Reichweitendarstellung

 

Fast jeder Autor der ber die Reichweite des zweistufigen Aggregates b.z.w der Kombination A9/A10 berichtet, nutzt nachfolgende Graphische Darstellung der Reichweite :

 

 

Kaum einer, besser keiner der Autoren zeigt diese Graphik in seiner Vollstndigkeit ! Man untertittelt diese Darstellung als A9-A10 Flugbahn, wobei immer davon ausgegangen wird das diese Stufenrakete der Darstellung nach dem Bild B 88/41 BSM entspricht, das ist nicht korrekt !

Auf der vollstndigen Graphik befindet sich die korrekte Bezeichnung der Kombination, die aus einem A18 D und einem Gleiter GL A4 V 12c besteht .

Sollte es sich bei der Bezeichnung A 18 D nicht um einen Schreibfehler handeln wre die Bezeichnung A9/A10 zustzlich dadurch unkorrekt, da das zur Trgerstufe Abgenderte Aggregat 10 wohl die Projektbezeichnung A18 bekommen htte !

 

 

Vollstndige Graphik der Flugbahndarstellung der Kombination A10 + A9 Musterbezeichnung Gl A4 V12c

 

 

Nochmals zusammen gefasst :

 

Das A9 Projekt ist nicht der Nachfolger des A4b.

Das A9 Projekt ist keine Rakete mit Interkontinentaler Reichweite.

Das A7 Projekt ist keine bemannte A9.

Das A9 Projekt ist nicht die zweite Stufe des zweistufigen Aggregates.

 

Das A9 Projekt ist ein A4 Gleitaggregat der Form A4V12c mit ca. 550 km Reichweite.

Das Projekt zweistufiges Aggregat ( A9/A10 ) ist im ursprnglichen Vorschlag eine Kombination A10 + A4 ( 1939) und ab Ende 1941 ein Gleitaggregat der Form A4V13.

Das A4b ist eine vereinfachte Ausfhrung des A9.

Das A7 Projekt ist ein Gleitaggregat der Form A5V12c ( A5 mit Flgel ).

Das A8 Projekt ist eine verlngertes A4 mit HNO3 Gasl Hochdruckofen mit ca. 550 km Reichweite.

 

Eine Projekt bemannte A9 ist nicht belegbar.

Auf das A4 Basierende Projekte von Gleitaggregate mit Fahrgestell , Zusatztriebwerke, drei oder noch mehr Stufige Aggregate gab es nicht oder sind nicht belegbar.

 

Wer der Meinung ist meine Ausfhrungen seien nicht korrekt und meint dis mit Dokumenten aus der zeit bis zur Kapitulation 1945 belegen zu knnen, darf sich gerne bei mir melden ! Dokumente und Zeugenaussagen aus der Zeit nach der Kapitulation sind keine Belege, sie widersprechen oft den Originaldokumenten oder verflschen die tatschliche Zusammenhnge !

 

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2004 Thomas Kliebenschedel

 

Text und Textinhalte wurden vom Autor aus eigener Archivrecherche erarbeitet. Bei Verwendung der Textinhalte auch auszugsweise ist auf den Autor Thomas Kliebenschedel zu verweise !