A4
(V2) Raketenfertigung in Friedrichshafen
1942-45
Über
Kunst die keine ist, ehrliche Landräte und der anhaltende Einfluss eines Joseph Goebbels
Auszug
aus der Schwäbische Zeitung vom 30 September 2009 .
Waltraud Späth bezieht
sich auf Ort und Geschichte
Friedrichshafen – Am kommenden Sonntag wird auf dem Ortsrundweg
Kluftern das zehnte Kunstobjekt eingeweiht. Die Künstlerin Waltraud Späth hat
mit dem Entwurf zu dieser Arbeit im vergangenen Jahr den Euregio Wettbewerb
gewonnen.
Von unserem Redakteur Ralf Schäfer
Der Wald zwischen Raderach und der Deponie und auf der
westlichen Seite zwischen Deponie und
Efritzweiler birgt heute noch sichtbare Geschichte, wie kaum ein anderes Fleckchen dieser
Region. Hier stand zur Nazi-Zeit das Versuchsgelände für V2- Raketen- Motoren.
Rund um die Deponie sind Einschlaglöcher von
Granatsplittern in alten Bäumen zu sehen, das Holz ist Wirtschaftlich
unbrauchbar, weil das darin steckende Eisen jede Säge zerstören würde.
Bombentrichter modellieren an einigen Stellen die Landschaft und moosüberzogene
Betonruinen zeugen von einer geheimnisvollen Vergangenheit. Zerborsten liegen
die Wände und Kammern von nicht mehr zu identifizierenden Gebäuden und Bunkern
im Wald.

Am Boden erstrecken sich symmetrisch mutmaßliche Gänge
und Lineare Bauten, deren Funktion dem oberflächlichen Betrachter unter dem
Schleier des Vergessens und Verschweigens und dem Laub der Jahrzehnten
verborgen bleibt.
Hier hat Waltraud Späth gespielt, an diesen Orten werden
ihre Erinnerungen wach . Sie hat „Gegen das Vergessen“ geschaffen, eine
Großplastik, die eindrucksvoll auf den Ort , seine Geschichte und das Erlebnis
der Betonformen Bezug nimmt.

Kunst, oder
überflüssige Selbstinszenierung. Wo liegt der Sinn dieser Skulptur ?
.... birgt heute noch sichtbare Geschichte, wie kaum ein anderes Fleckchen dieser
Region. Hier stand zur Nazi-Zeit das Versuchsgelände für V2-
Raketen- Motoren.
Es hätte ausgereicht wenn Herr Ralf Schäfer sich in
das hauseigene Archiv der Schwäbischen Zeitung begeben hätte um ein bisschen
über Raderach b.z.w. mögliche weiterführende Quellen zu erfahren.
Eine weitere Aussagen die heute kaum noch
nachvollziehbar ist , ist diese :
„Rund um die Deponie sind Einschlaglöcher
von Granatsplittern in alten Bäumen zu sehen, das Holz ist Wirtschaftlich
unbrauchbar“
Es ist korrekt das 1942 der
Weiherberg, Mittelberg, und der Balkenrein dicht bewaldet war, allerdings
überwiegend mit Tannen die bereits eine beachtliche Größe aufwiesen. Heute
besteht der Baumbestand am Balgenrein und am Hügel Richtung Weiherberg, aus
Buchen. Zählt man die Jahresringe an den Bäumen die dort durchaus gefällt
werden, kommt man kaum über 60 Jahresringe. Ein großer Teil des damaligen Forst
wurde durch die Bombardierung des Werkes zerstört, nach dem Krieg wurde dann
größten teils mit Buchen wider aufgeforstet. Granateinschläge gibt es nicht, allein
schon deswegen nicht, weil dort bis Kriegsende nachweislich nicht mit Granaten
geschossen wurde ! Die Löcher die heute im Boden noch zu sehen sind , stammen
von Bomben . Es dürfte schwer sein heute noch Bäume zu finden die im
Wirkungskreis der Bombenexplosionen standen und heute als über 100 Jährige
Bäume noch zu finden sein sollen.
Das Waltraut Späth sich für
Ihre Skulptur von der Ruine des
Umspannwerkes inspirieren lies ist unverkennbar, ob das nun Kunst ist möchte
„ich“ mal mit nein beantworten. Es ist weder Kreativ noch originell, höchstens
ein schlechtes Plagiat einer Ruine. Das man all das Geld ausgab um dieses
Betonteil in die Landschaft zu setzen um damit an falscher Stelle eine
scheinbares Mahnmal gegen das Vergessen zu platzieren, kann man nur mit
Unverständnis honorieren.
„Bauten, deren Funktion dem oberflächlichen Betrachter unter dem Schleier des Vergessens und Verschweigens und dem Laub der Jahrzehnten verborgen bleibt.“
Hier
pflegt man den Mythos ! Wären die erhaltenen Bauten nicht ein wirkliches
Mahnmal, ...gegen das Vergessen ?!
Sachliche Information über das was da
im Wald zu finden ist ?
Die Realität sieht anders aus! Nicht ein einziges winziges
Hinweistäfelchen im Stiel der blauen Tafeln des „Geschichtspfades“ wie Sie
ebenso fehlplatziert am Betonklotz von Waltraut Späth zu finden sind, eröffnet dem „oberflächlichen Betrachter“ an tatsächlich geschichtsträchtiger Stelle
den Schleier des Vergessens und Verschweigens.

Informationstafeln des Geschichtspfades
Friedrichshafen mit teilweise unkorrekten oder nicht ausreichenden
Informationen
Viele Leute haben sich sicher mächtig Gedanken darüber
gemacht wie man einem nutzlosen Betonklotz als Blickfang rechtfertigt. An einer
Stelle die sich zumindest an einen der Zufahrtswege zur ehemaligen
Abnahmestelle befindet und unweit der heute noch bewohnten Häuser ( Haus am
Wald ) aber dennoch ohne erkennbaren Bezug zur thematisierten Geschichte .
Naheliegender währe es gewesen das Gelt für die Aufarbeitung der real bestehenden Ruine zu investieren. Wenn man schon versucht Bezüge herzustellen, dann an der Ruine des Umspannwerk das gerade mahl etwas mehr als 50 m von der KZ Wohnbaracke entfernt war, in dem Willi Müller ( KZ Häftling ) am 16.8.1944 die Bombardierung der Abnahmestelle Raderach ( V2 Werk ) hautnah erlebte. ( Quelle : KZ Gedenkstätte Dachau, Archiv 16.020, S.72, Luftbild vom 18.8.1944 )

Auf dem Luftbild sind Einzelheiten kaum
zu erkennen, dennoch befindet sich das Umspannwerk ( E-Werk) gerade mahl einen
Steinwurf vom KZ Lager entfernt. Rot umrandet, heute noch sichtbare
Bombentrichter.

Man könnte vermuten, das man weiterhin kein wirkliches Interesse hat reale Zeugnisse menschlicher Schicksale zu erhalten und darauf aufmerksam zu machen. Der Betonklotz von Waltraut Späth hingegen wurde nicht von Zwangsarbeitern betoniert und steht so herrlich neutral. Nichts entzieht dem Objekt die Aufmerksamkeit, hier steht die Kunst im Vordergrund und nicht die unangenehme Geschichte !
Und dennoch, währe der Ortsrundweg
Kluftern nicht, es gäbe weiterhin keinen sichtbaren Hinweis auf den
unrühmlichen Ursprung der Ruinen im Wald. Jeder versuch von engagierte Personen, die Dinge vor Ort zu
benenne scheiterten bisher !
Uhrsachen dafür gibt es sicher fiele. Einige sitzen auf jeden Fall in Stadtarchiv Friedrichshafen und im Landratsamt des Bodenseekreis.
Ich hatte im Jahr 2001 an das Umweltschutzamt einige Fragen im Bezug auf Rüstungsaltlasten im Bereich der ehemaligen Abnahmestelle Raderach die mir unverhofft der damalige Landrat Siegfried Tann beantwortete. In seinem Schreiben bedauert er, mir auf meine Fragen keine Antwort, mangels Unterlagen, geben zu können. Ein Plan der aus der Kriegszeit stamme, sei wohl aus Spionage Gründe völlig falsch und unbrauchbar. Einige Tage später bekam ich dann ein Mail vom Umweltschutzamt mit dem Hinweis ich sollte mich im Bezug auf meine Fragen an einen Mitarbeiter im Liegenschaftsamt wenden. Aus dem Gespräch mit diesem Herrn erfuhr ich das es eine vom Landkreis beauftragte Luftbildauswertung aus dem Jahr 1988 und eine Historische Erkundung im Jahr 1997 gab, die einige meine Fragen beantworten würden. In Zwischenzeit weis ich natürlich, das dem Landratsamt nicht nur eine Zeichnung aus der Kriegszeit vorlag, sondern gleich 8 aus dem Bestand des Bundesarchiv in Freiburg, die keineswegs völlig falsch sind ! Die vermutete Spionagegründe dienten wohl eher der Geheimhaltung des Landratsamtes gegenüber meiner Person . Richtig allerdings ist, die Tatsache das der damalige Landrat mir gegenüber wohl wissentlich Falsche angaben gemacht hat.
Anders als das Landratsamt besitze ich neben einer annähernd vollständigen Dokumentation aus Kopien so ziemlich aller sich auf Raderach beziehenden Dokumente ab 1940 bis in die Neuzeit, auch eine umfangreiche Historische Foto Dokumentation . Weiter nachfragen beim Landratsamt erübrigen sich daher, aber interessant währe es dennoch zu erfahren wie Wahrheitsliebend der jetzige Landrat ist ! Negativ aufgefallen ist er in der Öffentlichkeit bisher nicht, auch wenn die Bevölkerung anderes zu berichten weis.
Ich bin mir sicher das eine Musesalische Aufbereitung des Areals der Abnahmestelle Raderach einschließlich der Schaffung einen echten Mahnmals weiterhin gegen die Interessen des Landratsamtes laufen würde, wobei es hier schon lange nicht mehr um die Verdeckung der Geschichte bis 1945 geht. Diese ist abgeschlossen, jetzt währe es an der Zeit die Nachkriegszeit bis zum heutigen Tag aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Aber, wer weis was das Landratsamt in Raderach alles vergraben hat, sicher mehr als nur die Geschichte bis 45 ! Wie dem auch sei, es gibt immer einen Grund einen Landrat zu Wort kommen zu lassen, so auch Lothar Wölfle .
In seiner Laudatio nahm auch Landrat Lothar Wölfle das
Stichwort „Erinnerung“ wie einen roten Faden auf. „Erinnerung an das dunkelste
Kapitel deutscher Geschichte, an Nationalsozialismus, V2-Werk,
Konzentrationslager, Zwangsarbeiter, Erinnerung an schlechte Zeit in Not und
Elend ist wichtig – vielleicht sogar noch wichtiger als Erinnerung an die guten
Tage“, so seine Würdigung Waltraud Späths, die mit ihrer gelungenen Großplastik
auch ein Stück ihrer eigenen Kindheit in den 60-er Jahren aufgearbeitet habe.
„Es ist kein Denkmal, kein Mahnmal“, betonte Lothar
Wölfle. „Aber ein Platz zum Innehalten, ein Platz, um Bewusstsein zu schaffen,
für das, was war, aber auch das, was kommen wird.“
Online Ausgabe des Südkurier 5.10.2009
Abgesehen davon, das Lothar Wölfle bewusst darauf hinwies das es bei der Plastik keineswegs um ein Denkmal oder Mahnmal handelt, es aber ein Platz sei um Bewusstsein zuschaffen, auch für das was kommen wird, man vielleicht auch durchaus guter Hoffnung sein könnte, das sich in der Darstellung der Geschichte der Abnahmestelle Raderach und der KZ Zwangsarbeit im Rahmen der A4 ( V2 Rakete ) Serienfertigung bei der Firma Zeppelin tatsächlich umfassend etwas tut, wird dieser Auftritt des Anwaltes und CDU Politikers, Lothar Wölfle wohl eher in die Kategorie Pflichttermin eines „Landrates“ einzureihen sein !
Nebenbei bemerkt: Wieso nennt
man heute die „Reichskristallnacht“, Pogrom aber unsere scheinbare
Lieblingswaffe aus dem zweiten Weltkrieg, das Aggregat 4, immer noch treu nach
der Goebbelsschen Propagandasprache, „Vergeltung 2“ ?! Was sollte damals
vergeltet werden, das heute noch eine Rechtfertigung darstellt, sachlich
ausgedrückt, eine „Strategisch Waffe“ im sinne einer ausgleichenden Antwort auf
ein zu unrecht erzwungenes handeln eines Überfallenen, als Vergeltung benannt werden zu dürfen ?!
Das A4 wurde als Strategische Waffe entwickelt aber dann gezielt als Terror-
Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt, sie hatte nie die Rechtfertigung
als Vergeltung benannt zu werden außer in der Goebbelsschen Propaganda wenn sie
nachhaltigen und vorprogrammierten Eindruck auf die Zuhörer haben soll. Das
sogenannte V2 Werk trug nie einen solchen Namen und war kein Ort an dem
Reziprozität ein Thema gewesen wäre. Die Bezeichnung V2 – Werk ist irreführend
und Historisch ebenso unkorrekt wie die heutige offizielle Darstellung des sogenannte
V2 Werkes. Da spricht ein Herr Lothar Wölfle von Erinnerung an das V2-Werk,
Konzentrationslager, Zwangsarbeiter, und hat nicht mehr Ahnung davon welche
Inhalte diese Wörter vor Ort in sich tragen, als das was auf der Niederschrift
seinen Laudatio zu lesen steht ! Ich Frage mich woher Herr Wölfle die Kompetenz
nimmt Waltraud Späths Betonklotz
als eine gelungene Großplastik zu bezeichnen ? Wenn es ein Platz zum Innehalten ,, um Bewusstsein zu
schaffen, für das, was war, aber auch das, was kommen wird.“ Dann auch, um darüber nachzudenken warum man nach der Beendigung der Laudatio
von Herrn Wölfle applaudieren soll, oder es besser bleiben lässt.
So gesehen, war dieser Tag ein schlechter Tag, an den man erinnern sollte und an die Frage : welchen akzeptablen Zweck hatte die Anwesenheit des Herr Lothar Wölfle an diese Veranstaltung, außer dem herunterspulen einer 0815 Laudatio ?!!
Und das sind Sie , die nicht vergessen werden sollen
!


Kriegsgefangene
Zwangsarbeiter in Raderach, 1942 – 43
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